07. Mai 2021

Neue Grundlagen zur Beurteilung der Hagelgefährdung

Als Gebirgsland gehört die Schweiz zu den hagelgefährdetsten Gebieten. Immer wieder gibt es lokale und zum Teil grosse Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Hagel ist schwer zu messen, da er unerwartet auftritt und meistens nur kleine Gebiete betrifft. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz hat in Zusammenarbeit mit der Schweizer Hagel und weiteren Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor erstmals national einheitliche Hagelauswertungen erstellt, welche das Auftreten aber auch die Stärke von Hagelereignissen beschreibt. So wissen Betroffene besser, wo es wie oft hagelt und wie gross die Hagelkörner werden können.

Hagelstürme verursachen jedes Jahr Schäden in Höhe mehrerer Millionen Schweizer Franken. Sie stellen somit eines der grössten Naturrisiken der Schweiz dar. Für Betroffene aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Versicherungs- und Bauwesen sowie den Einsatzorganen der Feuerwehr und des Zivilschutzes besteht das Bedürfnis nach einer einheitlichen, landesweiten Grundlage zur Beurteilung der Hagelgefährdung. Bestehende Hagelkarten beruhten auf älteren Daten, verwendeten unterschiedliche Methoden und zeigten zum Teil grosse Unterschiede. Die neuen Hagelauswertungen beschreiben die Häufigkeit und Intensität von Hagelereignissen in der Schweiz, werden laufend erweitert und stehen allen Interessierten frei zur Verfügung. «Moderne Wetter- und Klimagrundlagen erlauben es, der grossen Gefährdung durch Hagelstürme besser zu begegnen. Somit dienen Klimadienstleistungen auch dem Schutz vor Naturgefahren», so Peter Binder, Vorsitzender des National Centre for Climate Services (NCCS) und Direktor MeteoSchweiz. 

Lokal aber heftig

Hagel ist ein kleinräumiges Wetterphänomen und daher schwer zu messen. Eine landesweite Erfassung der Hagelgewitter ist nur mit dem Wetterradarnetz möglich, welches alle fünf Minuten ein detailliertes Bild der Niederschläge liefert, vom schwachen Nieselregen bis hin zum heftigen Hagelsturm. Für die neuen Hagelauswertungen wurden die Messungen von 40'000 Hagelereignissen aus der Periode 2002 bis 2020 aus dem Radarmessnetz verwendet. Zudem wurden die Hagelmeldungen aus der App der MeteoSchweiz und einem Messnetz von 80 automatischen Hagelsensoren zur Plausibilisierung herangezogen. Neu stehen allen Interessierten Hagelauswertungen zur Hagelhäufigkeit, -korngrösse und -gefährdung zur Verfügung. «Die neue Generation von Radardaten und Referenzmessungen versprechen eine erhebliche Verbesserung der bisherigen Grundlagen zur Risikobewertung und -analyse.» erklärt Pascal Forrer, Direktor der Schweizer Hagel.

Jährlich durchschnittliche Kosten von 65 Millionen an landwirtschaftlichen Kulturen

Hagel verursacht jährlich Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen von durchschnittlich 65 Millionen Schweizer Franken. Es ist alle paar Jahre mit einem Extremhagelereignis zu rechnen (mehrere Hagelsysteme formieren sich zu einem Sturmsystem bzw. einer Hagelfront mit sehr grossem Schadenpotenzial). 2009 entstand ein Schaden von rund 180 Millionen Schweizer Franken an landwirtschaftlichen Kulturen. Der Effekt der Klimaerwärmung auf das Hagelrisiko wurde noch wenig untersucht. Ein Anstieg der Temperaturen und eine höhere Feuchtigkeit in der unteren Atmosphäre könnten jedoch das Entstehen schwerer Gewitter begünstigen. «Die Landwirtschaft wird durch die stark zunehmenden Wetterextreme gefordert und ein umfassendes Risikomanagement ist deshalb unabdingbar. Neue Technologien bieten wertvolle Instrumente für die Präventionsarbeit», so Pascal Forrer. Mit dem SwissAgroIndex, welcher Auskunft über die Frost- resp. Hitzetage, die Wasserbilanz verschiedener Ackerkulturen und Trockenheitsschäden gibt, stellt die Schweizer Hagel ihren Versicherten eine wertvolle Orientierungs- und Entscheidungshilfe zur Verfügung.

Kontakt: Pascal Forrer, Direktor, und Esther Böhler, Mediensprecherin, Tel. 044 257 22 11

Die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft, Genossenschaft, 1880 gegründet, versichert die landwirtschaftlichen Kulturen von rund 30‘000 schweizerischen Landwirtschaftsbetrieben mit einem Gegenwert von rund 2 Milliarden Franken. Mittels Niederlassungen versichert sie zudem weitere rund 20'000 Landwirtschaftsbetriebe in Frankreich und Italien. Sie bietet umfassende Ernteversicherungslösungen zum Schutz gegen Ertragsausfälle infolge von Hagel- und weiterer Elementarschäden. Als Genossenschaft, schüttet sie Überschüsse an ihre Mitglieder in Form von Prämienrückvergütungen aus. Sie ist ISO 9001:2015 zertifiziert.