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Hagel und Meterologie



Gewitterbildung

Die Schweiz bildet zusammen mit Süddeutschland, Österreich, Norditalien, dem französischen Jura und dem Elsass die schlimmste Hagelzone Europas. Das Auftreten von Gewittern – und demzufolge auch von Hagel – ist äusserst sprunghaft; in unserem Land bilden sie sich am häufigsten zwischen Mai und September. Die topographische Beschaffenheit der Schweiz begünstigt Wärmegewitter, bei welchen durch intensive Sonneneinstrahlung erwärmte, feuchte Luft schnell in grosse Höhen aufsteigt. Kaltfrontgewitter hingegen werden ausgelöst durch heftiges Zusammentreffen feuchter Warmluft mit einer Kaltluftfront. Sowohl bei Kaltlufteinbruch wie bei Sonneneinstrahlung bilden sich gewaltige Wolkentürme (Cumulonimbus), die sich vertikal bis in eine Höhe von 12 oder mehr Kilometern ausdehnen können. Bildet sich bei Wärmegewittern Hagel, so ist das Schadenausmass geographisch sehr begrenzt, während sich bei Kaltfrontgewittern so genannte Hagelzüge formieren, die sich über die ganze Schweiz von Südwesten nach Nordosten erstrecken und mehrere Kilometer breit sein können.

Die Entstehung von Hagel

In einer Gewitterwolke kann sich im Bereich des Aufwindkanals Hagel bilden. Die durch Kondensation entstandenen Wassertröpfchen koppeln sich an die in der Luft vorhandenen Staubpartikel und gelangen durch die Aufwinde in sehr kalte Luftschichten, wo sie gefrieren. In 12'000 Metern Höhe herrschen nur noch wenige Turbulenzen und so fallen die kleinen Eiskörner wieder in tiefere Schichten, und während dieses Vorgangs frieren weitere Wassertröpfchen an diese Eiskörner, die dadurch grösser und grösser werden. Dieses Auf und Ab im Aufwindkanal kann sich beliebig lang wiederholen und erklärt so die unterschiedliche Grösse von Eiskörnern.

Unterschiedlich grosse Hagelkörner

Wenn der Aufwind in der Gewitterwolke nicht mehr stark genug ist oder die Eiskörner gross und schwer geworden sind, fallen sie aus der Wolke auf den Erdboden. Kleine Hagelkörner tauen auf dem Weg nach unten auf und werden zu grossen Regentropfen, grössere fallen mit unterschiedlicher Zerstörungskraft auf alles, was sich unter ihnen befindet. Im Allgemeinen beträgt der Durchmesser von Hagelkörnern 10 - 15mm, gelegentlich erreichen sie aber auch die Grösse von Haselnüssen (Ø 10 - 20mm; 1 - 3g) oder Walnüssen (Ø 30 - 40mm; 10g), Golfbällen (Ø 42.5mm; 46g), Hühnereiern (Ø 40 - 60mm; 55 - 60g) oder gar Tennisbällen (Ø 65mm; 60g). Das bisher grösste registrierte Hagelkorn hatte einen Durchmesser von 14cm und wog 770g; es stürzte am 3. September 1970 mit einer Fallgeschwindigkeit von 170km/h auf den Boden von Cofleyville Kansas USA.

Hagel und Radar

Mit Radar können Niederschlagsteilchen in der Atmosphäre vermessen werden. Das Schweizer Radarbild setzt sich zusammen aus den Radarbildern der drei Wetterstationen in La Dôle, auf dem Albis und dem Monte Lema. Diese Radarinformationen erlauben den Meteorologen eine sehr genaue kurzfristige Aussage (1 - 2 Stunden im Voraus) darüber zu machen, wann genau an einem bestimmten Ort Niederschläge beginnen und wieder aufhören.

Seit 2000 bezieht die Schweizer Hagel bei einem Anbieter solcher Radarbeobachtungen die eintägigen Hagelkarten. Wenn die meteorologische Situation auf mögliche Hagelwetter schliessen lässt, laden wir die aktuelle Hagelkarte am frühen Morgen auf unseren Computer. Auf dieser Karte ist das Hagelgeschehen der letzten 24 Stunden auf Schweizer Boden sowie dem angrenzenden Ausland ersichtlich. Die Farbskalierung gibt den Zeitpunkt des Hagelschlags an.

Dank der Radaraufzeichnungen über das Hagelgeschehen können weiter greifende Beobachtungen gemacht werden. So genannte Klimakarten erstrecken sich über eine längere Zeitperiode und geben Aufschluss über die geographische Verteilung und die Intensität des Hagels in diesem Zeitraum. So wird es zum Beispiel möglich zu erkennen, in welcher Region der intensivste Hagelschlag niederging, in welchen Monaten die stärksten Hagelschläge erfolgten, wie die topografische Beschaffenheit der Region Einfluss haben kann auf die Tageszeit, an welcher der Hagel ausleert, usw.

Je länger der beobachtete Zeitraum ist, desto besser lassen sich Gesetzmässigkeiten erkennen und zu Datenreihen verarbeiten. Diese erlauben schliesslich eine langfristige Hagelbeobachtung, und mögliche Tendenzen zu nachhaltigen Veränderungen im Hagelgeschehen können erkannt und in die Planung mit einbezogen werden.

Klimaerwärmung

Mittlerweile sind sich auch Klimaforscher darüber einig, dass eine Klimaerwärmung stattfindet. Die Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit dem Nationalen Forschungsprogramm 31 (Klimaänderungen und Naturkatastrophen) bestätigen die bereits 1990 von Prof. Dr. Albert Waldvogel (ehem. Direktor des Institutes für Atmosphärenphysik an der ETH Zürich, heute: Institut für Atmosphäre und Klima, IACETH) gemachte Aussage, wonach die aus dem Treibhauseffekt resultierenden Klimaschwankungen sich immer mehr auswirken. Die Hagelversicherung bekam diese Häufung der Extremsituationen vor allem regional, in Form von schweren Hagelstürmen, Überschwemmungen, Erdrutschen, Übersarrungen und Lawinen zu spüren.

Aussergewöhnlich beim Schadenverlauf der letzten 15 Jahre war vor allem das lokal katastrophale Ausmass der Schäden und der kurze Zeitabstand, der zwischen extremen Ereignissen beobachtet wurde.

Schwere Schadenjahre

Ein schwarzes Jahr der Hagelversicherung war 1927, welches Schäden in nie erreichtem Ausmass brachte. Die noch nicht rückversicherte Gesellschaft musste bei Prämieneinnahmen von 3,3 Mio. Franken Entschädigungszahlungen von 6,7 Mio. Franken leisten. Dies machte die Einforderung eines Nachschusses von 60 % unvermeidlich und führte im Folgejahr zu zahlreichen Kündigungen. Im Jahre 1928 wurde mit vier schweizerischen Gesellschaften ein Rückversicherungsvertrag abgeschlossen.

1950 war eines der schadenreichsten Jahre in der Geschichte der Schweizerischen Hagel-Versicherungs-Gesellschaft. Bei einem Prämienvolumen von 9,7 Mio. Franken und einer Versicherungssumme von 297,8 Mio. Franken mussten 18,18 Mio. Franken Entschädigung aufgewendet werden. Auch 1967 waren schwere Schäden zu verzeichnen: jeder vierte Versicherte wurde von Hagel betroffen und die Schadenbelastung betrug 138 %.

1975 war wiederum ein Katastrophenjahr: Die nicht abreissende Kette von Hagelschlägen begann bereits am 29. Mai mit unerwartet grossen Schäden und gipfelte in der Nacht vom 18. auf den 19. September in einem einzigen Hagelzug von 200 km Länge, der zwischen Genf und dem Basler Jura Schäden von 18 Mio. Franken verursachte. In diesem Jahr wurden Entschädigungen von 58,5 Mio. Franken ausbezahlt. 1994 wurde erstmals die 100-Millionen-Grenze (101,6 Mio. Fr.) für Entschädigungen überschritten.

Zwei extreme Hagelzüge im Mai und Juli 2009 führten zu einem Rekordjahr. Noch nie war die Zahl der Schadenmeldungen im Verhältnis zur Anzahl der Policen so hoch wie 2009. Beinahe jeder zweite Versicherte hatte einen Schaden zu beklagen. Allein der Hagelzug vom 23. Juli, welcher die grossen landwirtschaftlichen Kantone Waadt, Fribourg, Bern und Luzern durchquerte, löste über 8'000 Schadenmeldungen aus. Die Summe der ausbezahlten Schäden stieg auf 111,0 Mio CHF und erreichte somit mehr als das Doppelte der Prämieneinnahmen (Schadenbelastung: 216%).

 

 

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